Freitag, 15. April 2016

Eifersucht

Wie schon im vorherigen Post angekündigt, wird es in meinem neuen Roman um das Thema Eifersucht gehen. Er ist noch nicht fertig. (Bis jetzt weiß ich noch nicht einmal den Titel.)  Aber hier gibt's schon mal einen kleinen Vorgeschmack:



Eine Textprobe aus ... 
(äh, ich hoffe, der Titel fällt mir bis zu Veröffentlichung noch ein ;-)) 


»Ich verstehe nicht, wie du das erträgst. Da kannst du sagen, was du willst, ich verstehe es einfach nicht!«
»Was du tatsächlich nicht verstehst, ist, dass es gar nichts zu ertragen gibt!«
»Es gibt nichts zu ertragen, wenn du abends mit dem Essen auf Alexander wartest und er - ohne dir Bescheid zu geben - erst am nächsten Morgen zu Hause eintrifft?«
»Das ist einmal vorgekommen. Ansonsten ist er noch nie ganz ohne Nachricht weggeblieben«, wehrte Tabea trotzig ab. Als sie fortfuhr, klang ihre Stimme allerdings nicht mehr ganz so sicher. »Es handelte sich gewissermaßen um einen Notfall. Es war so eine wunderbare Situation voller Gefühle, die er da nicht kaputtmachen wollte, indem er mich mittendrin anruft.«
»Er wollte eine wunderbare Situation mit seiner Geliebten nicht unterbrechen, während du zu Hause brav sein Essen kochst? Weißt du eigentlich, was du da sagst?«
Die ganze Empörung, die sie bezüglich der ehelichen Situation ihrer Freundin empfand, schwang in Rosis Stimme mit. An sich waren sie und Tabea in den meisten Lebensbereichen sehr ähnlich eingestellt. Doch dieser eine Punkt war Rosi ein ständiger Dorn im Auge. Für die sogenannte offene Ehe ihrer Freundin konnte sie absolut kein Verständnis aufbringen. Sie wollte es auch gar nicht, denn das wäre ihr so vorgekommen, als würde sie ihre eigene Beziehung in Frage stellen. Sie erlaubte sich einen Moment lang, mit einem warmen Gefühl im Inneren an ihren Lebensgefährten Johna zu denken. Er würde ihr etwas Derartiges niemals zumuten! Doch Tabea riss sie gleich wieder aus ihren wohligen Gefühlen mit den Worten:
»Also, das klingt jetzt so, als wenn ich allabendlich für ihn koche. Das stimmt aber gar nicht, wie du wohl weißt. Meist essen wir abends sowieso nicht warm. Manchmal kocht auch er. Und im übrigen gilt …« Hier legte sie - offenbar, um die Wichtigkeit des Folgenden zu unterstreichen - eine kleine Kunstpause ein, ehe sie fortfuhr: »Gleiches Recht für beide! Das nächste Mal, wenn ich eine Verabredung habe, muss er eben mit dem Essen auf mich warten!«
»Das klingt nach Rache! Wenn das alles mit rechten Dingen zuginge, hättest du doch nicht den Wunsch, dich an ihm zu rächen!«, schoss Rosi unbarmherzig zurück.
»Das war doch nur ein Beispiel«, erwiderte Tabea etwas lahm. »Ich habe nicht gemeint, dass ich das jetzt unbedingt bei nächster Gelegenheit ganz genauso machen will. Ich wollte damit nur sagen, dass ich eben auch meine Freiheit genießen kann.«
»Wann hast du sie das letzte Mal genossen?«
Erstmals in diesem Gespräch merkte man Tabea nun doch ein gewisses Unbehagen deutlich an. Ihr Blick irrte einen Moment unstet durch den Raum, ehe sie antwortete:
»Das heißt doch nicht, dass wir immer zur selben Zeit Affären haben müssen! Wir können, aber wir müssen nicht.«
»Wann hattest du das letzte Mal eine?«, beharrte Rosi.
Schweigen breitete sich am Tisch aus. Dann sagte Tabea mit leiser Stimme: »Vor ungefähr einem Jahr.«
»Eher anderthalb Jahre, würde ich sagen.«

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